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Geschichte der Freilichtbühne
Bereits 1929 wurde der Bau einer Freilichtbühne in einem Steinbruch der Försterei Königshof
in Münden beschlossen.

Der Freiwillige Arbeitsdienst hat 1932 mit den Arbeiten für die Freilichtbühne begonnen.

Er hatte seinen gedanklichen Ursprung im Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst, das
während des Ersten Weltkrieges Anfang Dezember 1916 erlassen wurde.

Nach dem Kriege wurde der Arbeitsdienstgedanke wieder aktuell, als seit 1929 im Zuge der
Weltwirtschaftskrise die Arbeitslosenzahlen bis 1932 auf mehr als sieben Millionen anstiegen.
So kam es im Sommer 1931 zu einem Gesetz über die Einführung eines freiwilligen
Arbeitsdienstes. Er sollte den Arbeitslosen, insbesondere solchen jugendlichen Alters,
ermöglichen, ihre brachliegende Arbeitskraft - ohne Eingehung eines Arbeitsverhältnisses - in
selbstgewählter, ernster Gemeinschaftsarbeit unter sachkundiger Leitung in nützlichen
Arbeiten, die sonst nicht in Angriff genommen würden, zu betätigen und aus der Arbeit selbst
sowie durch nebenhergehende Bildungsmaßnahmen körperliche und geistige Schulung zu empfangen.

Im Laufe des Jahres 1932 entwickelte sich eine Tendenz, nur noch geschlossene Arbeitslager
zu bilden. In Münden und Umgebung wurden mehrere Arbeitslager eingerichtet. Eines davon
richtete der Verein für Freiwilligen Arbeitsdienst ein, der vom arbeitslosen Diplom-Ingenieur
Peter Sander gegründet worden war.
Als Unterkunft diente ein leerer Maschinensaal der Firma Haendler & Natermann in der
Fuldabrückenstraße.
Das Arbeitsvorhaben, den Bau einer Freilichtbühne, soll - wie Sander mehr als 50 Jahre später
berichtete - der Förster Philipp Schrage vorgeschlagen haben, in dessen Revier es verwirklicht
werden sollte.
Wahrscheinlich ging der Plan letztlich aber wohl vom Mündener Verkehrsverein aus, der im
September 1932 eine vorbereitende Besprechung zur Schaffung einer Freilichtbühne für
Aufführungen im kommenden Sommer veranstaltete, der eine Informationsveranstaltung im
Januar 1933 folgte.
Dahinter stand auch die Erinnerung an die Aufführungen im Freien bei den Mündener
Heimatfesten 1897 und 1909.

Die alte Freilichtbühne

Die Nationalsozialisten waren an den gedanklichen und praktischen Vorbereitungen des
Projekts zumindest nicht direkt beteiligt.
Wenn aber Sander 1987, nachdem der - im Ansatz steckengebliebene - Gedanke einer
Wiederbelebung der Freilichtbühne aufgekommen war, erklärte, der mit der Durchführung
des Baues beauftragte Freiwillige Arbeitsdienst des Lagers Tannenkamp sei politisch,
konfessionell und wirtschaftlich unabhängig gewesen, so ist dies insofern problematisch,
als Sander 1932 Ortsgruppenpropagandaleiter der NSDAP in Münden war. Der Verkehrsverein
beantragte und erhielt im April 1933 die Zulassung als Schauspielunternehmen,
um ein Ensemble des Göttinger Stadttheaters zu verpflichten
und außerdem eine Laienspielgruppe zur Aufführung von vaterländischen und Heimatspielen
zu gründen und schloss mit dem Forstamt Kattenbühl einen Pachtvertrag für das Gelände der
Freilichtbühne ab.
Sie wurde allerdings jetzt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar
1933 rasch von ihnen ideologisch vereinnahmt.
Sie inszenierten im April 1933 eine feierliche Grundsteinlegung, obwohl die Bauarbeiten
schon weit fortgeschritten waren, und ließen ihr bereits langjähriges Mitglied Pastor Knoke
als Hauptredner auftreten, der die Bühne als künftige Plattform für eine aus dem deutschen
Blute geborene - der deutschen Seele frommende ... heilige deutsche Kunst pries.
Unter Marschmusik zogen die Mündener SA, SS, der Arbeitsdienst Tannenkamp und die
vereinigten Männergesangvereine des Deutschen Sängerbundes nur sechs Wochen später zur
Einweihungsfeier der Bühne, die jetzt als nationalsozialistische Schöpfung gefeiert wurde.
Zum Abschluss wurden von Berufsschauspielern aus Göttingen in den Hauptrollen einige
Szenen aus Friedrich Schillers Wilhelm Tell aufgeführt, während Mitglieder der SA-Reserve
als Statisten mitwirkten.
Freilich waren die braunen Machthaber immer noch verhältnismäßig zurückhaltend aufgetreten.
Die Gründe dafür mögen darin gelegen haben, dass die Nationalsozialisten nicht die Urheber
der Bühne waren und dass sie angesichts der vergleichsweise sehr starken Arbeiterbewegung
in Münden (Gewerkschaften, SPD und KPD) die Ablehnung eines großen Teils der Mündener
Bevölkerung fürchteten. Das ungünstige soziologische Umfeld in Münden war vermutlich
auch ausschlaggebend dafür, dass die nationalsozialistische Niedersächsische
Spielgemeinschaft für nationale Festgestaltung es ablehnte, die Bühne zu einer Thingstätte
umzuwandeln. Mit der Thingbewegung, die 1934 ihre Höhepunkt erreichte, versuchten die Nationalsozialisten, anknüpfend an den Thing, die germanische Volksversammlung, eine
Theaterform zu schaffen, in der Thingspiele als Mischform von Kundgebung und politischem
Massentheater der nationalsozialistischen Propaganda von der Volksgemeinschaft sichtbaren
Ausdruck geben sollten.

Erste Spielzeit

In der ersten Spielzeit 1933 wurden vier Lustspiele, ein Schauspiel und nur ein Volksstück
mit deutlich nationalsozialistischem Bezug aufgeführt.
Auch nachdem 1934 der nationalsozialistische Einfluss auf die Bühne von Seiten der
örtlichen NS-Kulturgemeinde größer geworden war und auch nachdem sie 1936 von der Stadt
und damit vollends in nationalsozialistische Regie übernommen worden war, blieb der Anteil
an nationalsozialistischen Zeitstücken vergleichsweise gering.
Während des Zweiten Weltkriegs fanden nur noch vereinzelt Aufführungen oder
Kundgebungen statt.


Von Dr. Johann D. von Pezold
Quelle: HNA Regiowiki